Die zweite Wahrheit von links
Zugegeben: Ich tue mich mit Meinungsfindung in einigen Bereichen sehr schwer. Ein großteil der arbeitenden Bevölkerung ist da sicherlich sehr ähnlich: Wir übernehmen gerne die von anderen vorgetragene und vorgefertigte Meinung als unsere eigene und gut ist. Manche verteidigen diese Meinung sogar und es kommt zu diskussionen mit anderen, die gegenteiliger Meinung sind.
Diese Form der Meinungsbildung ist durchaus legitim, aber vielen möchte ich nahelegen, den Versuch, die so gebildete Meinung mit Halbwissen zu verteidigen, zu unterlassen. Denn: eine fundierte Meinungsbildung braucht Zeit: Man muss recherschieren, Nachforschungen anstellen, etc.
Ein Teil der eigenen Meinung steht oft schon fest, wenn man selbst davon mittelbar oder unmittelbar betroffen ist - alles zu seinem eigenen Vorteil ist immer besser als alles andere.
Betrachten wir ein sehr prominentes Beispiel: Steuern. Jeder, der irgendwie Geld verdient, muss Steuern abführen, mal mehr mal weniger. Als typischer Steuerzahler möchte man möglichst wenig Steuern zahlen. Nach Möglichkeit sogar keine. Das ist vollkommen legitim - schließlich will man das hart erarbeitete Geld ja auch behalten.
Damit man dieses Geld auch bequem verdient möchten viele mit einem Auto zur Arbeit fahren. Vielleicht wollen einige Leute ins Schwimmbad. Wir wollen, dass unsere Kinder gut ausgebildet werden. Wir möchten vor allem unseren jetzigen Lebensstandard behalten. Vollkommen legitim. Der Mensch ist schließlich egoistisch.
Aber all diese Dinge müssen irgendwie bezahlt werden - Schließlich arbeitet niemand von uns kostenlos. Der Staat ist also derjenige, der die Straßennetze in Schuss hält, der Schwimmbäder unterhält, die Lehrer und Universitäten bezahlt etc. Dafür braucht der Staat auch Geld, das von den Steuern kommt. Es macht also durchaus Sinn, Steuern zu zahlen.
Aber - und jetzt kommt meine Meinung - ich möchte, dass die Regierung das Geld auch ordentlich verwaltet. Die Schulden die sich angehäuft haben lassen sich kaum noch tilgen.
Zurück zum Text: Naürlich muss gespart werden. Doch es wird meiner Meinung nach an der falschen Stelle gespart: Könnte man nicht an den Gehältern der Politiker sparen?
Da sind wir wieder beim Thema Meinungsfindung. Wieso? Nun auch Politiker müssen zu vielen Themen Stellung beziehen, eine Meinung finden. Viele machen es so, dass sie die Meinung anderer übernehmen. Schließlich ist das einfacher und der Mensch will es von Natur aus so einfach wie möglich haben. Schließlich ist er von Natur aus faul. Also warum nicht auch als Politiker die Meinung anderer übernehmen? Und wenn sie dann auch noch mit einigen Geschenken daherkommt, ist die Meinungsbildung noch mal ein Stück einfacher ...
Ich bezichtige hier niemanden der Korruption. Ich fürchte nur, und das ist meine Meinung, sei es nun unbewusst von jemand übernommen oder nicht, dass viele ihre Pflicht, für den Staat, für die Bürger, zu arbeiten in der Politik nicht ernst nehmen.
Aber wie bereits erwähnt: Meinungsfindung ist ein sehr subjektiver Prozess. Alles, was einem gefühlt selber besser zu gute kommt, ist das richtige. Die Wahrheit. Ist das wirklich so?
Nehmen wir ein weiteres Beispiel: Die Urheberrechtsdebatte der letzten Zeit. Das illegale Kopieren von Musik und Kunstwerken im Internet. Gesetzesvorschläge und Interessen, die schließlich zur Geburt der Piraten-Partei führten.
Die Rechteinhaber und Kreativen die nun befürchten, ihre Existenzgrundlage durch die ganzen Internet-Piraten zu verlieren stehen den Hobby-Kreativen gegenüber, die zur Erschaffung neuer Werke sich gerne bei anderen bedienen. Kunst und Kultur. Oder eher Kunst gegen Kultur?
Beide Seiten bringen Argumente vor, beide klingen glaubwürdig und als Semi-Kreativer möchte ich mich teilweise beiden Seiten anschließen, teilweise möchte ich jedoch auch weder mit der einen noch mit der anderen Seite etwas zu tun haben.
Beginnen wir auf der Seite der "Netzgemeinde", der Konsumenten und letztendlich auch der "Piraten". Ihnen wird vorgeworfen, dass sie die Produkte der Künstler illegal aus dem Netz herunterladen, konsumieren und die Erschaffer sehen nichts, rein gar nichts als dank. Ich bin mir sicher, dass es zu einem Teil auch tatsächlich so abläuft - sei es aus mangelndem Unrechtsbewusstsein, einem eingefahrenen "Umsonstdenken" oder einfach nur, weil diese Leute kein Geld dafür haben.
Problem ist: Der Künstler möchte von den erschaffenen Werken leben können, eben damit er wieder neue Werke schaffen kann, die dann wieder konsumiert werden können. Die Katze beisst sich schon jetzt in den Schwanz!
Klar wird nun dagegen gehalten, dass einige Nutzer auch zahlen, den Künstler also unterstützen möchten. Diesen ist die gerade erwähnte Problematik bewusst und sie zeigen demjenigen Künstler auch, dass sie mehr von ihm hören, sehen oder lesen wollen. Bei größeren Anschaffungen oder anderen Geldproblemen würde genau in diesem Bereich auch gespart werden, wenn die Abgaben freiwillig wären.
Die Lösung soll die sogenannte Kulturflatrate sein, also eine pauschale Abgabe von jedem. Das Geld wird dann an die Künstler verteilt und die können dann davon leben. Dieser Vorschlag wurde nicht weiter als diese zwei Sätze gedacht: Es soll also eine weitere Gesselschaft, wie die GEMA oder VGWort geschaffen werden, die die Künstler versorgt. Doch wieviel soll das kosten? Wieviel muss es kosten? Wie werden die Einnahmen verteilt? Wer kriegt wie viel vom Kuchen? Und warum?
Es könnte auch das GEZ-Dilemma entstehen (so nenne ich das mal): Warum soll ich für Fernsehen Geld bezahlen, wenn da fast nur mist läuft, den ich eh nicht sehen will?
Jedenfalls müsste irgendeine Art von Infrastruktur geschaffen werden, die das ganze verwaltet - was wiederum Geld kostet. Und woher soll das wiederum stammen? Vom Steuerzahler, der - siehe oben - seiner Meinung nach schon genug, wenn nicht sogar zu viele Steuern bezahlt?
Gut, bleiben wir also beim aktuellen Modell. Es ist für alles zu bezahlen, was man konsumieren will. Der gute alte Kapitalismus. So einfach ist es jedoch auch nicht. Warum?
Nun, zwischen den Künstlern und den Konsumenten steht bzw. stand immer schon ein Verlag. Der Verlag hat sich darum gekümmert, dass Kulturträger (also CDs, DVDs oder Bücher) produziert und an die Konsumenten weitergeleitet werden. Er heimst dafür einen Teil der Kosten ein, um die Produktions- und Verwaltungskosten zu decken und gibt den Rest an den Künstler weiter. Teilweise nehmen sie auch etwas mehr, weil sie für alle Kosten in Vorlage treten und eine Rücklage für weitere Projekte dieser Art brauchen. Soweit so gut. Oder?
Das Modell ist in den letzten Jahren nicht mehr so ganz aktuell. Der Grund ist das Internet. Es können Musik-, Film- und auch Buchdaten ohne materiellen Aufwand kopiert werden. Es müssen also weder CDs oder DVDs gepresst bzw. Bücher gedruckt werden. Das spart definitiv kosten. Und auch Arbeitsplätze (es fallen wieder Steuerzahler weg, s.o.).
Die so eingesparten Kosten - und sie werden definitiv eingespart - werden jedoch weder an den Konsumenten noch an den Künstler weitergegeben. Das Geld bleibt ebenfalls bei den Verlagen. Ist das gerechtfertigt? In meinen Augen nicht wirklich. Doch nicht bei jedem Verlag ist es so offensichtlich, wie bei den Musikverlagen, die für den Verkauf von MP3s eine Pauschale für beim Transport zerbrochene Tonträger erhoben hatten ...
Genau hier tue ich mit meiner eigenen Meinungsfindung sehr schwer. Momentan denke ich, dass gerade unbekannte Künstler von einer freieren Auslegung des Verwertungsrechts profitieren könnten - Mund-zu-Mund-Propaganda oder auch virales Marketing, ist eines der besten Mittel, um bekannter zu werden. Und freie Hör- oder Leseproben können da durchaus hilfreich sein.
Den bekannten und etablierten Künstlern kann das herzlich egal sein. Sie werden durch virales Marketing nicht mehr weitergebracht. Es gibt nun welche, die von den Verkäufen ihrer Werke leben können. Andere verdienen meiner Meinung nach einfach zu viel (denen könnte es eigentlich auch wieder egal sein).
Es gibt allerdings eine einzige Sache, der ich nicht(!) zustimmen kann: Wenn andere Leute unerlaubterweise Geld mit fremden Erzeugnissen verdienen. Diesen Ärger einiger Künstler kann ich sehr gut verstehen ...
Nachdem ich das alles aufgeschrieben habe, glaube ich eines sagen zu können: Bei der Meinungsfindung gibt es nicht die eine Wahrheit. Jeder sucht sich seine eigene. Ich habe mich jetzt für die zweite von Links entschieden - inspiriert vom Ende eines der meiner Meinung nach besten RPGs für das SNES: Seiken Densetsu 2, auch besser bekannt als "Secret of Mana".
In diesem Sinne: Bis zum nächsten Eintrag.
24.04.2012 um 08:37 von Nico
Nicht bewertet
Spambots
Anscheinend muss ich mir mal einen ordentlichen Spamfilter basteln. In so ziemlich jeder Kommentarsektion befanden sich vor einiger Zeit irgendwelche kryptischen Links - und nur Links - die aber durch die Eingabe einer halbwegs validen email-adresse unterdrückt wurden.
Jetzt kommen komische Kurzeinträge auf englisch, die meine "Artikel" loben. Egal wie - mit Rechtschreibfehlern und egal, ob es auch nur ein Bild war oder es auch nicht passt ... Und dann natürlich auch je zwei Mal.
Glauben diese spammer, sie könnten auf einer deutschen Seite mit fehlerhaften englischen Einträgen punkten, um später wieder ihre komischen Links zu verteilen?
Egal, was dahinter steckt, es nervt einfach nur noch ...
21.12.2011 um 21:40 von Nico
Nicht bewertet